Weitere Aussetzung der Insolvenzantragspflicht

Durch das (COVInsAG) ist im März dieses Jahres die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen bis Ende September 2020 ausgesetzt worden, die aufgrund der COVID-19-Pandemie insolvent geworden sind und dennoch Aussicht haben, sich zu sanieren. Nun hat die Koalition die Aussetzung der Antragspflicht für einen Teil der Unternehmen in der Corona-Krise bis zum 31. Dezember 2020 verlängert.

 Die Lockerungen beim Insolvenzantrag gehen also in die Verlängerung. Sie gelten aber nur noch für Unternehmen die infolge der COVID-19-Pandemie überschuldet sind, ohne zahlungsunfähig zu sein. Denn anders als bei zahlungsunfähigen Unternehmen bestehen bei überschuldeten Unternehmen berechtigte Chancen, die Insolvenz dauerhaft abzuwenden.

Firmen, die zahlungsunfähig sind, können dagegen ihre fälligen Verbindlichkeiten bereits jetzt nicht mehr begleichen. Das bedeutet, dass es diesen Unternehmen nicht gelungen ist, ihre Finanzlage mithilfe der vielfältigen staatlichen Hilfsangebote zu stabilisieren. Bei Zahlungsunfähigkeit sind daher Unternehmen spätestens ab dem 1. Oktober 2020 wieder gesetzlich dazu verpflichtet sind, einen Insolvenzantrag zu stellen. Marktbeobachter schätzen diesen Insolvenzgrund als deutlich relevanter ein als die Überschuldung. Denn als zahlungsunfähig gelten Unternehmen, sobald sie 10 Prozent ihrer fälligen Forderungen nicht fristgerecht begleichen können. So ist anzunehmen, dass nur wenige Unternehmen von der Verlängerung der Insolvenzantragsaussetzung profitieren werden.

Verlängerung der Antragspflichtaussetzung stößt auf Skepsis

Die Neuregelung überzeugt allerdings nicht alle Marktteilnehmer. Zwar kann die Verlängerung des Gesetzes einigen Unternehmen helfen die andauernde Krise zu überwinden, eine Insolvenzwelle kann dadurch allerdings nicht vermieden werden. Viele Unternehmen dürften aufgrund der hohen Kredite, die sie zur Verlustdeckung in den vergangenen Monaten aufnehmen mussten, zu hohe Schulden haben. Nur eine positive Fortführungsprognose würde dann eine Insolvenzantragspflicht wegen Überschuldung vermeiden. Doch für viele Unternehmen ist es in der derzeitigen Situation eher schwierig, auch nur eine halbwegs stabile Geschäftsprognose abzugeben.

Weiter regt sich unter Experten Widerstand, dass die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht mehr Schaden als Nutzen anrichten werde. So gebe es bereits heute viele Unternehmen, die marktwirtschaftlich nicht mehr rentabel sind und durch die Aussetzung der Antragspflicht künstlich am Leben gehalten werden, obwohl sie längst nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Sie warnen vor „Zombie“-Firmen, höheren Schäden für Gläubiger und vor einem Domino-Effekt für Geschäftspartner klammer Unternehmen.

Was Sie jetzt beachten sollten

Insolvenzen können nicht nur Ihre Kunden, sondern auch Ihre Lieferanten treffen. Da aktuell die Kreditversicherungsfazilitäten knapp sind, ist es ratsam, eine professionelle Bonitätsanalyse Ihrer Kunden und Lieferanten durch Auskunfteien oder Kreditversicherer vornehmen zu lassen. Diese ermöglicht grundsätzlich eine Strukturierung des Kunden- und Lieferantenportfolios nach Risikoklassen. Damit können Sie die Problemfälle rechtzeitig identifizieren, klären und gegebenenfalls Gegenmaßnahmen ergreifen. Darüber hinaus ist eine Prüfung, ob und inwieweit ein Risikotransfer zu einem Kreditversicherer möglich ist, ebenfalls dringend zu empfehlen. Lassen Sie sich hierbei von uns beraten und unterstützen. Wir stehen Ihnen gerne zur Verfügung!